
Das schwimmende Hauptquartier
Ein Containerbau unseres Kunden Han Slawik
Bunte, riesige Stahlkisten – genormt, robust stapelbar! Als universelle Transportboxen, in denen Waren jeglicher Art rund um den Globus geschickt werden, sind sie fast schon ein Sinnbild für Globalisierung und weltweiten Handel: Container. Mit Architektur, der qualitätvollen Gestaltung von Wohn- oder Arbeitsräumen, mit hoher Aufenthaltsqualität verbindet man den Container freilich nicht. Vielmehr assoziiert man eher trostlose Notunterkünfte oder funktionale Baucontainer.
Doch interessieren die 2,40 Meter breiten, 2,59 Meter hohen und 6,06 Meter langen Stahlkisten auch manchen Architekten. Das ist vor allem unserem Kunden Han Slawik zu verdanken, der mit Fug und Recht als Begründer und Wegbereiter der Cotainerarchitektur gilt. Vor über 20 Jahren errichtete der Hannoveraner Architekt sein erstes Container-Gebäude, ein Wohnhaus im niederländischen Almere, und entwickelte seither das Bauen mit Containern kontinuierlich weiter.
Was dabei entstehen kann, ist durchaus bemerkens- und sehenswert! Mit dem schwimmenden Ökogebäude, dem IBA DOCK, ist Slawik ein interessanter und wegweisender Beitrag zur Internationalen Bauausstellung in Hamburg gelungen.
Rein optisch ist es wie geschaffen für die Hansestadt. Erinnert das im Müggenburger Zollhafen auf einem Stahlbeton-Ponton schwimmende Gebäude mit seinen übereinander gestapelten, farbigen Modulen doch an einen Überseefrachter im Kleinformat. Als Organisationsbüro der IBA beherbergt der dreigeschossige rund 2000 qm umfassende Bau die Büros für rund 20 Mitarbeiter sowie Ausstellungsflächen, eine Cafeteria und einen Vortragssaal. Die Räumlichkeiten sind durch versetzte Lufträume und offene Treppen miteinander verbunden. Während in der östlichen Hälfte des Gebäudes unterschiedlich große Büro- und Besprechungsräume untergebracht sind, wird der westliche Teil mit dem Brückenzugang als Ausstellungsfläche über drei Ebenen genutzt. In der Mittelzone beherbergen freistehende farbige Boxen Sanitärräume und Teeküchen. Also ganz offensichtlich keine starre von den Abmaßen eines Frachtcontainers diktierte Raumstruktur! Wie ist das möglich?

Slawik ist nicht nur begeisterter Verfechter der Containerarchitektur, er hat sich auch intensiv mit ihren Nachteilen auseinandergesetzt und Lösungen entwickelt. Die Probleme: Zum einen schränkt die genormte Breite von nicht einmal zweieinhalb Metern den Gestaltungsspielraum enorm ein, zum anderen führt das aufeinander Stapeln und aneinander Reihen von Containern zu einer Doppelung aller Wände und Decken. Ein bauphysikalischer Unsinn!
Slawik löst diese Probleme, indem er unter Beibehaltung der ISO-Containermaße eine Trennung vornimmt: in tragende Containerrahmen und nicht tragende einsetzbare Füllungen für raumbegrenzende Bauteile, d.h. für Wände und Decken. Mit diesem Containersystem erreicht er ein Höchstmaß an Flexibilität bei der Raumgestaltung. Alle Größen und Arten von Räumen sind möglich.
Wände werden dort eingezogen, wo sie benötigt werden, und wohnklimatisch angenehmere Materialien wie beispielsweise Holzfüllungen können eingesetzt werden.
Das Containersystem von Slawik erlaubt es auch, dem IBA DOCK eine hochgedämmte Fassade vor- und ein hochgedämmtes Dach aufzusetzen. Eigentlich selbstverständlich, dass ein Beitrag zur Internationalen Bauausstellung, die unter dem Motto »Entwürfe für die Zukunft der Metropole im 21. Jahrhundert« steht, ein zukunftsweisendes Energiekonzept aufweist. So erzeugt der Bau die von ihm benötigte Energie allein durch die Nutzung der Sonnenenergie und des Elbwassers.
Das Zero Balance Konzept wurde von der Immosolar GmbH entwickelt. Eine Sole/Wasser-Wärmepumpe beheizt bzw. kühlt das Gebäude. Die für die Wärmepumpe benötigte Umweltwärme stammt von Sonnenkollektoren und wird einem im Stahlbeton-Ponton integrierten Wärmeaustauscher der Elbe entnommen. Der 50 Meter lange und 26 Meter breite Ponton, der dem Gebäude »das Schwimmen beigebracht hat«, ist mit Bewehrungsmatten mit Wärmeaustauscherrohren als geschlossenes System verlegt. Der Energiebedarf des Gebäudes ist 100 Prozent regenerativ.
Doch beschränkt sich die Nachhaltigkeit des IBA DOCKS keineswegs auf sein energetisches Verhalten. War von den Problemen, die das Bauen mit Containern aufwirft bereits die Rede, kommen wir nun zu den Vorteilen. Warum überhaupt Bauen mit Containern? »Richtig verstanden sind Container so etwas wie der wahr gewordene Traum der klassischen Moderne. Ein modulares, industriell gefertigtes und preisgünstiges System, aus dem man ungefähr alles machen kann, was die Statik erlaubt«, schwärmt Slawik. »Bauen mit Containern, d.h. modulares Bauen macht darüber hinaus die einfache, d.h. auch kostengünstige Montage sowie die unaufwendige De- und Remontage eines Gebäudes möglich. Das bedeutet temporäre Architektur und damit auch die Schonung natürlicher Ressourcen«, erklärt Slawik. So kann das IBA DOCK, wenn die Bauausstellung 2013 zu Ende geht, anders genutzt oder an einen anderen Wasserort verbracht werden. Zur Diskussion steht eine Umnutzung zur schwimmenden Jugendherberge.

Ein weiteres Argument für die Containerarchitektur führt Slawik mit der Baulückenschließung in Städten ins Feld. Mit Containerarchitektur lassen sich hier ganz flexibel freistehende, ungenutzte Flächen temporär nutzen. So geschehen beispielsweise mit seinem »bed by night«, einer aus Containern gefertigten Notunterkunft für Straßenkinder in Hannover, die auf zehn Jahre befristet ist. Prof. Han Slawik machte die Containerarchitektur an seinem Institut (Abteilung Experimentelles Entwerfen und Konstruieren) an der Leibniz Universität Hannover zum Forschungsthema. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern gab er den ContainerAtlas heraus, der quasi als Standardwerk die gesamte Bandbreite dieser Bauweise vorstellt. Der Architekt prognostiziert dem modularen Bauen eine große Zukunft. »Für die Fußball WM in Südafrika beispielsweise sind viele Hotels gebaut worden. Heute stehen diese Gebäude zu großen Teilen leer.
Hätte man Containerbauten produziert, könnte man diese ganz einfach abbauen und an anderer Stelle wieder aufbauen, eben da wo sie gerade benötigt werden für große Ausstellungen oder Großveranstaltungen. Die Karawane zieht weiter, und die Gebäude ziehen einfach mit.«
Neben dem modularen Bauen sind es schwimmende Gebäude, die Slawik faszinieren und denen er eine wichtige Rolle beim künftigen Bauen einräumt. »Schwimmende Gebäude sind eine direkte Antwort auf den Klimawandel. Falls die Flut steigt, d.h. auch im Falle von Hochwasser schwimmt das Gebäude einfach mit«, erklärt Slawik. So hebt und senkt sich das IBA DOCK mit den Gezeiten um 3,50 Meter.
»Man kann das Gebäude daher als einen ersten Baustein einer schwimmenden Stadt interpretieren, einer Stadt des 21. Jahrhunderts, die vor den Herausforderungen des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen steht. Einer Stadt mit unterhaltsarmen öffentlichen Räumen, deren städtebauliche Konfigurationen sich bei Bedarf durch das Verschieben der schwimmenden Gebäude und der Freiflächen verändern lässt. Ganz anders als beim Bauen auf dem Land, wo Abbruch und Entsorgung drohen«, so Slawik.

Die mobile Immobilie, schwimmende Häuser anstelle immer höher werdender Deiche, Stadtstrukturen, die sich gewandelten Bedürfnissen ohne Abrissbirne quasi fließend anpassen, Han Slawik ist zweifelsohne auch ein Visionär.
Visionäre müssen zwar nicht zum Arzt, wie es Helmut Schmidt einmal sagte, aber auch sie brauchen ein praxistaugliches und innovatives Handwerkszeug. Han Slawik ist seit zehn Jahren überzeugter ARCHICAD-Anwender. Die einfache Erlernbarkeit, die intuitive Benutzeroberfläche und der persönliche Service haben ihn von GRAPHISOFT überzeugt. Im Büro, in dem sowohl in 2D als auch 3D geplant wird, ist die Mitarbeiterin Sonja Tinney vor allem von den 3D-Qualitäten der Software begeistert, die sowohl die 3D-Planung erleichtern als auch einen unkomplizierten und schnellen Wechsel zwischen der Arbeit in 2D und 3D ermöglichen. Dass die unterschiedlichen Containermodule, mit denen das Büro seine interessanten Gebäude plant, längst als fertige Bausteine in ARCHICAD gespeichert sind, und so die Arbeit beschleunigen und erleichtern, das versteht sich von selbst.
Das Architekturbüro Han Slawik Architekt wird betreut
von unserem Partner:
CADKONTOR
Jörg Albach, Philipp Ohm
E-Mail: mail@cadkontor.de
München/Hannover, Oktober 2010
Fotos 1-3: Rüdiger Mosler, im Auftrag
der Kleusberg GmbH & Co. KG, Wissen
Foto 4: IBA Hamburg GmbH/Johannes Arlt, Hamburg
Foto 5: Rüdiger Mosler, im Auftrag
der Kleusberg GmbH & Co. KG, Wissen
Fotos 6-7: Slawik Architekten, Hannover/Amsterdam
Text: Angelika Keitsch
Layout: FORM+ZEICHEN
www.graphisoft.de I www.graphisoft.at
Han Slawik Architekt
Fischerstrassee 1-A I 30167 Hannover
www.slawik.net


