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Harmonisierung in Salatgrün

Harmonisierung in Salatgrün

Jutta Kehr gestaltet die Touristinformation Jena

Informationszentrale für Rat oder Hotel suchende Gäste, aber auch »Empfangsraum« für auswärtige Besucher – eine Touristinformation muss nicht nur funktionieren, d. h. umfangreiche Serviceleistungen anbieten, sie ist stets auch das Aushängeschild einer Stadt.

Einen Anziehungspunkt mit hohem Wohlfühlfaktor für die Besucher und großem Imagegewinn für die Stadt hat unsere Kundin Jutta Kehr mit der Gestaltung der Touristinformation in Jena geschaffen. Dabei sah sich die Innenarchitektin einer sehr komplexen Gebäudesituation gegenüber, für die es das Interieur zu gestalten galt. Nicht ein einzelnes, sondern ein Ensemble aus vier Gebäuden nimmt die Touristinformation in seinem Erdgeschoss auf: Zwei spätmittelalterliche Häuser, vermutlich ein ehemaliges Kontorhaus aus dem Jahr 1384 mit einem 1435 im Osten angebauten Wohnhaus; hinzu kommt ein modernes Atrium, das die historischen Gebäude mit einem Funktionsbau aus den 1990er Jahren verbindet. Sanierung und Erweiterungsbau wurden ebenfalls von einem ARCHICAD-Anwender, dem Büro Limmer + Otto, Freie Architekten BDA, Jena realisiert.

Guter Projektstart also schon an der CAD-Front! »Zum Warmlaufen«, erinnert sich Jutta Kehr, » haben mir Limmer + Otto ihre 3D-Visualisierung in ARCHICAD® zur Verfügung gestellt. So konnte ich virtuelle Erkundungsgänge durch das Objekt machen, um mich mit den Kubaturen, der Funktionsstruktur und der Gestaltungsidee vertraut zu machen«.

Limmer + Ottos Entwürfe sahen neben der aufwändigen und sensiblen Sanierung der spätmittelalterlichen Gebäude ein modernes glasüberdachtes Atrium vor, das gewissermaßen eine Haus-Hof-Haus-Situation herstellt. Dabei wurden Teile der historischen Fassade zum integralen Bestandteil des Innenraumes. Naturstein trifft auf Glas und Sichtbeton, historische Bausubstanz und zeitgenössische Architektur verbinden sich zu einem interessanten Gebäudeensemble. Eine allzu dominante Innenraumgestaltung verträgt das sicherlich nicht.

Jutta Kehr reagiert in ihrem Entwurf mit zurückhaltender Eleganz und Klarheit: »Es ging mir darum, zu der spannenden Hochbauarchitektur, dem wirkungsvollen Kontrast von Historie und Moderne, eine selbstbewusste Innenarchitektur zu stellen, die sich nicht in den Vordergrund drängt, zugleich aber durch eine klare Formensprache und frechfrische Farben durchaus ihre Eigenständigkeit beweist«.

So entwirft die Erfurter Innenarchitektin das Mobiliar für die Touristinformation in Form von lang gezogenen Quadern in Kombination mit Zylindern, Kegeln und Würfeln.
Alle sichtbaren Holzoberflächen werden durch ein silbergrau durchgefärbtes Furnier verfremdet. Das verleiht den Möbeln nicht nur eine »kühle Noblesse«, es trägt auch einer weiteren Besonderheit des Gebäudes Rechnung. Da sich die historische Fassade des Kontorhauses nicht rekonstruieren ließ, entschied sich die Stadt für eine hochmoderne Lösung, eine Hologrammfassade (Entwurf Robarchitects, Dresden), die je nach Sonneneinfall unterschiedliche Farbflächen in den Innenraum reflektiert. Die durchgängig silbernen Oberflächen ohne erkennbare Maserung befördern diese reizvollen Lichtspiele und treten nicht mit ihnen in Konkurrenz.

Aber auch Kehr beweist durchaus Mut zur Farbe. »Salatgrün« heißt ihre »Zauberwaffe« gegen eine Flut von Formen und Farben, die sich in Gestalt von Flyern, Broschüren, Plakaten, Karten etc. unvermeidlich in den Räumen der Touristinformation ausbreitet. »Ich habe alle Innenflächen des Mobiliars in ‚salatgrün’ ausgestattet. Das bildet einen dominanten Hintergrund für all die bunten Drucksachen und harmonisiert diese teilweise grelle Vielfarbigkeit. Damit bleibt auch der Eindruck der klaren Formen des Mobiliars erhalten«, so Kehr.

Die Gestaltung der Räumlichkeiten überzeugt sowohl in ihrer Gesamtanmutung als auch mit einer Vielzahl durchdachter Details. Klar, funktional und originell: Zwei mobile Tresen entstehen in Form von Kopf stehenden Kegelstümpfen. Überraschende Materialität: Scheinbar harte, schwere Sitzwürfel, die im Atrium vor einer großen Videowand und den Resten des historischen Brunnens angeordnet sind, geraten schon beim »Antippen« in Schwingungen. Gekonnter Kunstgriff: Ein großer Tresen, ganz geringfügig aus der Wandparallele gedreht, erzeugt eine überraschende Raumspannung, ohne dass man ihre Ursache gleich erkennen könnte.

Aber nicht »nur« ästhetisch, sondern auch funktional musste die Ausstattung sein. Unterschiedliche Funktionsbereiche wie Hotel- und Stadtinfos, Verkauf von Werbemitteln und Ticketing galt es auf einer Fläche von 275 qm unterzubringen. Dabei führte Kehr viele Gespräche mit den späteren Nutzern, um ihre Bedürfnisse an einen funktionierenden Arbeitsplatz mit in die Planung einfließen zu lassen.

Sowohl Limmer + Otto als auch Jutta Kehr wurden für dieses Projekt im Rahmen des diesjährigen »architektourenpreises« des Landes Thüringen ausgezeichnet. In der Begründung heißt es: »Die Anerkennung gilt dem durchgängigen Innenraumkonzept, das in allen drei Umgebungen, dem 15. Jahrhundert, den 1990er Jahren und dem Jahr 2009, Betrachtern und Nutzern eine Freude ist. Insgesamt ein Resultat, das genau die Zeitlosigkeit mitbringt, die Gebautes im öffentlichen Raum braucht.«

Jutta Kehr arbeitet seit 2006 mit ARCHICAD. Einfache Handhabung der Software auch im 3D-Modus, der logische Aufbau des Programms und viele intelligente und bis ins Detail durchdachte Funktionen, das waren damals ihre Gründe für den Umstieg auf ARCHICAD. Heute ist sie nicht nur eine begeisterte Anwenderin, sondern auch eine überzeugte ArchiCARD-Kundin. »Wahrscheinlich habe ich noch gar nicht alle Möglichkeiten, die das Programm bietet, ausgelotet. Aber die vielen kleinen Helferlein und Verbesserungen, die jedes Update mit sich bringt, der super Service und der gute Support, den mir die ArchiCARD garantiert, das überzeugt mich immer wieder«, so Jutta Kehr.

Ein dickes Lob für die Qualität ihrer Ausführungspläne wiederum erhielt sie von den ausführenden Firmen bei der Realisierung der Touristinformation. Die Pläne waren so perfekt, dass die sonst übliche eigene Werkplanung zum Beispiel bei der Tischlerei nicht erforderlich war. Alle Möbel konnten direkt nach den ARCHICAD-Plänen gebaut werden.

Das Architekturbüro Jutta Kehr wird betreut von GRAPHISOFT Center Südost
TypoCAD GmbH Leipzig
Klaus Peter Fritzsche
E-mail: mail@graphisoft-suedost.de

München/Jena, August 2009
Fotos: Frank Otto, Jena
Text: Angelika Keitsch
Layout: FORM+ZEICHEN

www.graphisoft.de I www.graphisoft.at

Architekturbüro Jutta Kehr
Bergstraße 32 I 99092 Erfurt
www.jutta-kehr.de

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