
Geschliffener Edelstein
Yi Architects planen Bibliothek, des 21. Jahrhunderts in Stuttgart
Mit dem Abschluss der Entwurfplanung, der Überprüfung der technischen Realisierbarkeit sowie einer detaillierten Kostenschätzung ist die Bibliothek des 21. Jahrhunderts in Stuttgart ihrer Realisierung ein erhebliches Stück näher gerückt. Bis hier die ersten Bücher ausgeliehen werden können, wird es freilich noch einige Zeit dauern; im Jahr 2011 soll das Gebäude fertiggestellt sein.
Bis dahin wird sich auch das Gesicht der Innenstadt der schwäbischen Metropole vollkommen verändert haben: Stuttgart 21, so heißt das ambitionierte, zukunftsgerichtete Verkehrs- und städtebauliche Konzept. Durch die Verlegung des Bahnverkehrs in den Untergrund werden rund 100 Hektar innerstädtische Gleisflächen frei, auf denen innerhalb der kommenden zehn Jahre ein neues City-Quartier entstehen wird. Eines der herausragenden Projekte, die derzeit in der Planung sind, ist die Bibliothek 21 des Architekturbüros Yi Architects (Köln/Seoul).
Bereits 1999 wurde der Entwurf des koreanischen Architekten, Eun Young Yi, in einem zweiphasigen Realisierungswettbewerb, den die Landeshauptstadt Stuttgart gemeinsam mit der Deutschen Bahn ausgelobt hatte, mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Rund 235 Architekten aus ganz Europa hatten ihre Arbeiten eingereicht. Die Aufgabenstellung war äußerst komplex: Das Gebäude sollte nicht nur Raum für circa 500.000 Medieneinheiten, d.h. für Bücher, elektronische und digitale Medien bieten, sondern auch Lesesäle, acht Lernateliers und Büros beherbergen. Gefragt war darüber hinaus ein »Herz« im Zentrum des Baus, das die Tradition von Bibliotheken räumlich reflektiert.
Eun Young Yi, der eine Professur an der Han Yang Universität in Seoul innehat und ein Büro in Köln und Seoul betreibt, entwarf einen klaren, kraftvollen Solitärbau, der um seine öffentliche Bedeutung als kulturelles Zentrum zu unterstreichen, die durchschnittliche Dachebene des neuen Quartiers um zwei Geschosse überragt. Der gläserne Kubus mit einer Kantenlänge von 40 Metern steht auf einer Wasserfläche, über die die Besucher von drei Seiten in das Gebäude gelangen; der vierte Eingang liegt an der Moskauer Straße. Die Gebäudehülle ist als Doppelfassade aus Glasbausteinen in Betonrahmen und als Glasfassade mit Sonnenschutzschicht konzipiert.

Äußerst komplex sind die Raumstruktur und die Gestaltung des Innenraumes. Das sogenannte »Herz« bildet das Kernstück der Bibliothek. Als würfelförmiger Raum liegt es im Zentrum des Gebäudes, nur durch ein zentrales Oberlicht erhellt. Damit erhält der archaische Raumtyp des Pantheons eine neue, futuristische Interpretation. Das Herz wird in allen Geschossen ringförmig von Lesesälen, der Musikbibliothek, dem Kunstraum und der Graphothek umgeben. Das Oberlicht mündet in einen trichterförmigen Lesesaal, der sich über vier Geschosse erstreckt.
Das Forum befindet sich direkt unter dem Herzen. Innere Erschließungstreppen und äußere Fluchtrampe sind als »Flanierwege« konzipiert und reflektieren die Raumschalen des Gebäudes.
In dem Entwurf der Bibliothek 21 formuliert sich das gestalterische Credo des koreanischen Architekten. »Wir sind Anfang des neuen Jahrtausends mit unserer Architektur an einem Punkt angelangt, wo es die Grundtypen der Architektur zu entdecken und in ihren wesentlichen Punkten neu zu interpretieren gilt. Wir müssen diese Grundtypen herunterschleifen bis auf die äußersten Formen der Abstraktion, wie einen Edelstein. So birgt die Archaik der Räume in ihrer reduzierten Abstraktion ihr futuristisches Potential«, erklärt Eun Young Yi.
Bereits seit mehreren Jahren arbeitet das Büro Yi Architects mit ARCHICAD®. Der Projektleiter, der während seiner langjährigen Arbeit im Büro Kleihues zum passionierten ARCHICAD-Anwender geworden ist, und einige andere deutsche Kollegen hatten Prof. Yi von der Software überzeugt. Mittlerweile sind alle Mitarbeiter von dem komfortablen und leicht erlernbaren Programm begeistert.
Das Architekturbüro Yi Architects wird betreut von unserem Partner:
inside systeme
Markus Bunge
E-mail: mail@inside-systeme.de
München/ Stuttgart, Juli 2006
Renderings: Yi Architects
Text: Angelika Keitsch
Layout: FORM+ZEICHEN
www.graphisoft.de I www.graphisoft.at
Yi Architects Köln/Seoul
Hohenstaufenring 57a I 50674 Köln
www.yiarchitects.com


